Keith Richards feiert 75. Geburtstag

Keith Richards von den Rolling Stones feiert heute, am 18.12.2018, seinen 75. Geburtstag. Wir feiern den Geburtstag der Gitarrenlegende mit einem Akustikspecial zu Keiths Können.

Keith Richards hat schon häufig über sein Ableben gescherzt. Aufgrund seines exzessiven Lebensstils werden sich die Pathologen um die Obduktion seiner Leiche streiten, er könnte seinen Leichnam allerdings auch auf eBay versteigern. Und auch für ihn selbst sei sein Körper ein Wunder. Denn neben Drogen habe er auch Hepatitis C überlebt. Heute feiert Keith Richards seinen 75. Geburtstag. Zeit, zurückzublicken. Aber nicht auf Keiths Leben, das kann ja jeder. Wir zeigen euch die akustischen Spuren von Keith Richards und den Rolling Stones!

 „Das ist die Grundlage für jeden Gitarristen. Ein Astronaut fliegt ja auch nicht einfach so in den Weltraum. Irgendwer muss auch die Rakete bauen.“ Diese Aussage machte Keith im Jahr 2017. Er selbst erlernte das Gitarrenspiel auf dem akustischen Instrument seines Großvaters.

Sind die Stones eine Akustik-Band?

Die Stones waren und sind in ihrer Essenz eine Blues-Band. Und diese Musik gibt es schon weitaus länger als E-Gitarren. Demnach basiert die Musik der Rolling Stones auf akustischen Gitarren. Schon auf der frühen „Not Fade Away“-Single wird diese Querverbindung deutlich. Der von Buddy Holly geschriebene und von seiner Band The Crickets 1957 popularisierte Rock’n’Roll-Song wird in der Stones-Version von 1964 von einer rhythmisch relativ einfach gehaltenen Akustikgitarre mit wenigen Akkorden unnachahmlich angetrieben. Die E-Gitarre darf nur kurze Soloakzente setzen. 


Auch ihr im April desselben Jahres  erscheinendes Debüt bedient sich vorrangig an Songs anderer Künstler. Allerdings können Jagger/Richards mit „Tell Me“ einen ersten eigenen Beitrag unterbringen. Ein melancholischer und trotzdem poppiger Song, der von der abwechselnd gepickten und gestrummten Zwölfsaitigen von Keith Richards dominiert wird. 

Man kann sich fast bildlich vorstellen, wie die beiden seinerzeit in der Bandwohnung im Londoner Edith Grove sitzen, Richards auf der Westerngitarre klimpert und diese Nummer entsteht. Ein heutzutage geradezu archaisch anmutender Vorgang aus der Zeit vor Smartphones oder digitalen Amp-Simulationen. Neben eindeutigen Akustiknummern wie beispielsweise „Angie“ sind akustische Gitarren ein essentieller Bestandteil des Songwritings und konsequenterweise auch der Umsetzung

Auf dem 1966 veröffentlichten Aftermath spielen akustische Instrumente eine noch größere Rolle. Kompositionen wie „Mother’s Little Helper“ werden von feinen AkustikLicks und folkigen Akkorden angetrieben; Richards Gitarrenkompagnon Brian Jones entdeckt seine Leidenschaft für exotische Instrumente wie den Appalachian dulcimer, die japanische Koto (beide zur Familie der Zithern gehörend) oder die Sitar. Diese kommt besonders prominent bei „Paint It Black“ zum Zug. Das unverwechselbare Motiv beeinflusst eine ganze Generation an Psychedelic-Rock-Bands. Alle sonstigen Gitarren stammen von Richards, der dem Song-Finale mit aus dem Bolero entliehenen Anschlägen noch mal so richtig Pfeffer verleiht. 

Die versteckten Akustikgitarren

Hinter dem charakteristischen Klangbild von "Jumping Jack Flash" stecken gleich drei Akustikgitarren. Richards erinnert sich an eine auf Open-D gestimmte Gibson Hummingbird; ein Kapodaster sorgt für die tonale Keith-Würze. Dann noch eine Spur im Nashville-Tuning drübergelegt, noch eine für die hohen Töne, und fertig. Die Frage, wie er den Sound so hinbekommen habe, beantwortet er lässig mit: 

 

„Steck’ das Mikro einfach in die Gitarre und lass’ das dann über einen externen Lautsprecher laufen.“


Den gleichen Trick setzt Keith bei der nächsten Single „Street Fighting Man“ sogar für das Hauptriff ein, wie er in der sehenswerten Dokumentation Under the Influence Jahrzehnte später nachstellt. Man mag es kaum glauben, doch das ist keine elektrische Gitarre, sondern eine brachial angeschlagene Akustikklampfe, gepaart mit einem übersteuernden Kassettenrekorder. Abgesehen vom Bass (den ebenfalls Richards einspielt), ist auf diesem Song überhaupt keine E-Gitarre zu hören. Mit dem Song „You Can’t Always Get What You Want“ sichert sich Richards endgültig seinen Platz unter den Akustikgroßmeistern. Eines der unverwechselbarsten Akustik-Riffs überhaupt, das allerdings immer wieder falsch interpretiert wird. Sachdienlicher Hinweis: Wer auf die Kombination „offene Stimmung plus Kapo“ setzt, ist schon auf der richtigen Fährte. In Sachen Anschlagsmuster hat Richards im Laufe der Zeit durchaus diverse Varianten angeboten.

Die Neuzeit

Mit Bridges to Babylon (1997) und A Bigger Bang (2005) erscheinen zwei weitere beachtliche Alben, die die Symbiose aus akustischem Songwriting und kollektiver Umsetzung etwa mit dem sensationell sanft gezupften „Thief in the Night“ vorbildlich demonstrieren. Auch wenn die Rolling Stones auf ihrem aktuellen Album Blue & Lonesome (von Fans und Kritikern bejubelt) dem elektrisch verstärktem Chicago-Blues frönen, darf nicht unterschätzt werden, welch wichtige Bedeutung akustische Gitarren in der Entwicklung dieser Band hatten.

Und auch, wer sich die heutigen Live-Konzerte der Stones ansieht, wird Keith Richards des Öfteren mit einer akustischen Gitarre sehen. Denn eins ist klar: Auch mit seinen 75 Jahren plant der Gitarrist, 2019 wieder auf den Bühnen dieser Welt zu stehen.

 

Den ausführlichen Artikel zum akustischen Schaffen findet ihr in der guitar acoustic 3/2017. Inklusive Tabs/Noten gibt es den Text hier als Direkt-Download im PDF-Format oder ihr könnt euch die Ausgabe bequem nach Hause liefern lassen.

 

Text: Tom Küppers

Fotos: Getty Images