Interview: Simon Neil/Biffy Clyro

Neue Wege bei Biffy Clyro. Wir sprachen mit Frontmann Simon Neil über die neue, rein akustische Seite der Band. Im Herbst 2018 wird diese Band dies auch auf deutschen Bühnen zum Besten geben.

Vor Beginn ihrer Karriere spielten Biffy Clyro den MTV-Unplugged-Auftritt von Nirvana nach. Dass sie einmal selbst in diese Kategorie verstoßen würden, kam Frontmann Simon Neil damals so illusorisch vor wie das Leben auf einem anderen Planeten. Entsprechend aufgekratzt zeigt sich der Schotte beim Interview zur eigenen Akustik-Show.

Simon, wie habt ihr reagiert, als MTV angefragt hat?

Da mussten wir nicht lange nachdenken. Wir sind in den '90ern aufgewachsen, da war MTV Unplugged ein großes und ikonisches Event. Ich hätte vielleicht nie eine Gitarre in die Hand genommen, wenn ich nicht Shows wie die von Nirvana, Neil Young oder Pearl Jam gesehen hätte.

Ihr erwähnt auf der Scheibe sogar, dass ihr Nirvanas Unplugged-Songs vor dem Start eurer Karriere eingeübt habt.

Ich habe irgendwo noch das Tape, auf dem zu hören ist, wie wir die Sachen spielen – buchstäblich vom Anfang der Show bis zum Ende. Wir haben sogar die Ansagen gelernt, die Kurt Cobain während der Show gemacht hat. Es ist ziemlich peinlich, das zuzugeben. Aber der Gedanke, so etwas einmal selbst.


Wie habt ihr die Songs ausgesucht?

Das war hart. Neben bekannten Nummern wollten wir auch Überraschungen einbauen, unter anderem ein Cover und einen neuen Song. Wir haben ungefähr 30 Nummern geprobt und 18 davon in dieser Nacht aufgenommen. Drei davon klangen nicht magisch genug für eine Veröffentlichung. Wir haben anfangs versucht, von jedem Album zumindest einen Titel zu spielen, das aber nach einer Weile verworfen und Songs ausgesucht, die sich für uns richtig anfühlten. Es gab ein paar Nummern, die wir nie zuvor akustisch gespielt hatten und ausprobieren wollten, etwa „Small Wishes“ [von Ellipsis, 2016] oder „Bubbles“ [von Only Revolutions, 2009]. Es ging darum, die richtige Balance zu finden.

Du bist bekannt dafür, mit verschiedenen Stimmungen zu arbeiten. Gab es irgendwelche Änderungen bei den Tunings?

Oh ja. Beinahe jeder Song steht in einer anderen Tonart als bei der Studioaufnahme. Wenn ich mich korrekt erinnere, waren „Opposite“ [von Opposites, 2013], „Small Wishes“ und „Bubbles“ die einzigen, die in der gleichen Tonart geblieben sind. Das war ein bewusster Schritt, denn wenn man Tonart, Akkorde und Voicings verändert, ändert das die Stimmung des Liedes.

Wie viele Gitarren hast du bei dem Konzert verwendet?

Ich glaube, es waren sieben. Manche Songs sind einen Halbton tiefer gestimmt, einige in DADGAD, manche in normaler Stimmung.

Das bringt uns zur Coverversion des Albums, „God Only Knows“ von den Beach Boys. Warum habt ihr gerade diesen Song ausgesucht?

Ich wollte etwas machen, das ich tief in mir fühle und das mir auch in zehn Jahren noch genau so viel bedeutet wie jetzt. „God Only Knows“ ist der einzige Song, von dem ich wirklich fühle, dass er das ganze Leben an meiner Seite ist. Als ich sehr jung war, habe ich ihn mit meinen Eltern gehört. Ich habe viele Kindheitserinnerungen daran, die mich sehr glücklich gemacht haben.

Es ist auch ein wichtiger Song für mich und meine Frau – zu ihm haben wir bei unserer Hochzeit den ersten Tanz getanzt. Ich habe ihn auf meiner Brust tätowiert, es ist eines meiner ersten richtigen Tattoos. Der Song hat mich in den verschiedensten Phasen meines Lebens bestärkt – im Bekenntnis zur Musik, zur Liebe und in dem Versuch, ein guter Mensch zu sein. „God Only Knows“ ist mein musikalischer Nordstern.

Noch eine Frage für die Puristen: Auf dem Cover ist euer Bassist James Johnston mit einem E-Bass abgebildet.

Ich weiß.

Hat er den die ganze Zeit gespielt oder nur für ein paar Songs? Unplugged ist das ja nicht.

Er hat ein bisschen Akustikbass gespielt, aber etwa zur Hälfte elektrisch. Als ich das Cover sah, dachte ich: „Wer hat das verbockt? Wir reden hier von MTV Unplugged.“Aber ein paar der Nummern brauchten diesen etwas crisperen Sound eines E-Basses. Wir vertrauen James voll, aber ja, er hat die Regel gebrochen, und das ist auf dem Cover.

Text: Chris Hauke

Fotos: Andy Willsher/ Warner Music