Halloween-Special: Robert Johnson

Lust auf ein paar Gruselgeschichten zu Halloween? 80 Jahre nach Robert Johnsons Tod klären wir euch über die drei Mythen rund um die Blueslegende auf!

Es gibt wohl keinen Blueser, dessen Lebensumstände besser für eine gruselige Geschichte für Halloween herhalten könnte. Oder für Verschwörungstheorien. Ein Bund mit dem Teufel, gleich 3 Gräber und Todesursachen von Syphilis bis Gift – all diese Mythen sammeln sich um Blues-Legende Robert Johnson. 80 Jahre nach seinem Tod gehen wir der Sache auf den Grund.

Mythos 1: Der Bund mit dem Teufel


Er ist der „König des Delta-Blues“. Dabei ist der 1911 in Hazlehurst, Mississippi geborene Robert Johnson wie viele Blueser der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einem instabilen, verarmten Elternhaus aufgewachsen. Wo und wie lernte er also mit jungen Jahren ein solch „teuflisches“ Spiel? Allgemein – und auch in vielen Medien – heißt es, es sei bis heute noch nicht geklärt, wie Robert seine exzellente Spielmöglichkeiten erworben hat. Unser Blues-Experte Rainer Wöffler hat sich jahrelang ausschließlich mit Blues beschäftigt und kennt die Antwort: Der angebliche Deal mit dem Teufel ist Tommy Johnson zuzuschreiben. Robert hat nie behauptet, dass er an den Crossroads einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sei. Tommy hatte das allerdings zehn Jahre zuvor behauptet…

Robert Johnson hingegen begann bereits als Kind sich ein sogenanntes Diddley-Bow zu basteln. Dabei schlägt man Nägel über den Pfosten einer Veranda, befestigt Draht daran und spannt alles mit einer Coladose. Mit der Glasflasche können dann Riffs geslidet werden oder mit dem Stock der Groove geschlagen werden. Sein erstes ernsthaftes Instrument war dann eine Mundharmonika. Später beobachtete er Son House bei jedem seiner Konzerte. Son House erinnert sich in einem Interview in den 60er Jahren: „Sobald wir mal eine Pause machten und vor die Tür gingen, schnappte er sich eine Gitarre und nervte alle mit seinem Geschepper. Wir konnten ihn nicht davon abhalten und mussten seinen Vater rufen.“ Sechs Monate später hatte er einen Gitarrenlehrer namens Ike Zinnerman gefunden. Also: Ein musikalisches Grundverständnis war durchaus vorhanden und wurde ihm nicht vom Teufel eingehaucht. Wer sich das Ganze aber gern als Mythos beibehalten will, der sollte sich folgenden Ausschnitt aus der Serie „Supernatural“ anschauen:

Mythos 2: Drei Gräber

Für einen Blueser nicht ungewöhnlich! Viele sind völlig verschwunden oder besitzen gar kein Grab. Eines von drei möglichen Gräbern befindet sich auf dem Friedhof der Little Zion Missionary Baptist Church in Greenwood, Mississipi.

Mythos 3: Die Todesursache

Viel beigetragen zu seinem Mythos hat sein früher Tod mit 27 Jahren und das Fehlen biographischer Details. Bis 1986 existierte kein Foto von ihm. Auf der Sterbeurkunde ist die Geschlechtskrankheit „Syphilis“ als Todesursache vermerkt. Andere sprechen von einer Hirnblutung. Oder hat sich der Teufel seine Seele wie vereinbart geholt? Weder noch. Unser Bluesexperte Rainer Wöffler weiß, dass in Forscherkreisen eine Strychninvergiftung als wahrscheinlichste These gilt. Dahinter verbirgt sich ein Liebesdrama. Robert Johnson ließ sich gerne mal mit den Frauen der Betreibern sogenannter „Juke Joints“ ein. So nannten sich Bars für Afroamerikaner zu jener Zeit. Dort gab es häufig Live-Musik, Alkohol – aber auch Glücksspiel und nicht selten auch Prostitution. Ein solcher Juke-Joint-Betreiber soll Robert in einer damals handelsüblich kleinen Schnapsflasche Gift untergejubelt haben. Damals ein bewährtes Mittel, um unliebsame Rivalen zur Seite zu schaffen.

Noch viel gruseliger als die ganzen Mythen, die sich hervorragend als Schauergeschichten zu Halloween eigenen, ist folgendes: Wenige Monate nach Robert JohnsonsTod fand das große Spiritual-to-Swing-Konzert in der Carnegie Hall statt. Mit damaligen Größen wie Bennie Goodman, Albert Ammons, Pete Johnson, Joe Turner und dem Golden Gate Quartett. Veranstalter John Hammond fahndete nach dem verschollenen Robert Johnson… der aber natürlich nicht gefunden wurde. Stattdessen übernahm Big Bill Broonzy den Part des Country-Bluesers und baute damit seine zweite Karriere auf. Was wäre wohl aus Robert geworden, wenn er das Konzert hätte spielen können?

Die Frage bleibt offen. Die großen Leistungen des „King of Delta Blues“ sind trotzdem nicht von der Hand zu weisen. Objektiv gesehen, hat er den Blues standardisiert, den Turnaround eingeführt, den Shufffle-Rhythmus etabliert und sozusagen den Weg bereitet für Muddy Waters und den Chicago-Blues.

Es gibt wohl keinen Blueser, dessen Lebensumstände besser für eine gruselige Geschichte für Halloween herhalten könnte. Oder für Verschwörungstheorien. Ein Bund mit dem Teufel, gleich 3 Gräber und Todesursachen von Syphilis bis Gift – all diese Mythen sammeln sich um Blues-Legende Robert Johnson. 80 Jahre nach seinem Tod gehen wir der Sache auf den Grund.  Mythos 1: Der  Bund mit dem Teufel  Er ist der „König des Delta-Blues“. Dabei ist der 1911 in Hazlehurst, Mississippi geborene Robert Johnson wie viele Blueser der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einem instabilen, verarmten Elternhaus aufgewachsen. Wo und wie lernte er also mit jungen Jahren ein solch „teuflisches“ Spiel?   Allgemein – und auch in vielen Medien – heißt es, es sei bis heute noch nicht geklärt, wie Robert seine exzellente Spielmöglichkeiten erworben hat. Unser Blues-Experte Rainer Wöffler hat sich jahrelang ausschließlich mit Blues beschäftigt und kennt die Antwort: Der angebliche Deal mit dem Teufel ist Tommy Johnson zuzuschreiben. Robert hat nie behauptet, dass er an den Crossroads einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sei. Tommy hatte das allerdings zehn Jahre zuvor behauptet…

Das Cover unseres Bluescafés Nummer II: Robert Johnson (c) Nicole Marek