NEUES GT-MODELL BEI TAYLOR GUITARS

Taylor Guitars respektive Andy Powers sind als kreative Firma bekannt und so verwundert es kaum, dass Powers pünktlich zum Herbst mit einer neuen Gitarre um die Ecke kommt. Die neue GT – Grand Theater – ist als echte Player-Gitarre konzipiert, was bedeutet, dass weniger Wert auf Äußerlichkeiten, viel wert auf Spielfreude gelegt wurde – so muss das sein …

Taylor Guitars respektive Andy Powers sind als kreative Firma bekannt und so verwundert es kaum, dass Powers pünktlich zum Herbst mit einer neuen Gitarre um die Ecke kommt. Die neue GT – Grand Theater –  ist als echte Player-Gitarre konzipiert, was bedeutet, dass weniger Wert auf Äußerlichkeiten, viel wert auf Spielfreude gelegt wurde – so muss das sein!

Und da Taylor bei Gitarren wie auch bei deren Präsentation nichts dem Zufall überlassen, wurde die Grand Theater im Rahmen eines virtuellen Events der Fachpresse vorgestellt – inklusive einem mit Zahlenschloss versehenen Gitarrenkoffer.

Die Grand Theater ist im Taylor-Korpus-Universum eine neue Form, die sich zwischen der Grand Concert und der GS Mini ansiedelt. Die Grand Concert ist die kleinste Full-Size-Korpus-Variante bei Taylor, die GT wird wie auch die GC in Kalifornien hergestellt. Der kleinere Korpus bekam auch einen kürzere Mensur verpasst, was den Saiten mehr Elastizität gibt. Mit 24,125“ ist die Mensur etwas kürzer als bei der GC (24,875“) und ein wenig länger als bei der GS Mini  mit 23,5“ – die goldene Mitte eben, wie schon beim Korpus.

Um die Bass-Wiedergabe zu stärken hat Andy Powers das sehr linear agierende V-Class-Bracing verändert, so dass dessen asymmetrische Struktur speziell die Ansprache im Tiefenbereich verstärkt – das neue C-Class-Bracing. Das Ergebnis ist in der Tat überraschend, ein derart voller und warmer Klang, wie bei der GT ist sonst nicht aus diesen kleinen Formaten zu hören. Gefertigt wird die neue GT aus Taylors Urban Ash. Dieses Holz kam erstmals in der Builder’s Edition 324cd zum Einsatz.

Wir haben Andy Powers im Zusammenhang mit der Builder’s Edition 324ce zum Thema „Urban Ash“ befragt.

Andy, wie und wer kam auf die Idee, Holz nicht aus dem Wald, sondern aus der Stadt im Gitarrenbau einzusetzen?

Andy Powers: Ehrlich gesagt war diese Idee das Resultat paralleler Überlegungen seitens Bob (Taylor), Scott (Paul) und mir. Wir hatten ähnliche Gedankengänge, die aus unterschiedlichen Richtungen zusammenkamen. Also haben wir angefangen, zusammenzuarbeiten.

Wie alt sind die Bäume durchschnittlich?

Andy Powers: Ganz überwiegend wurden die Eschen, die wir nutzen, von den späten 1940er bis in die 1960er gepflanzt. Während der Bauphase in Südkalifornien nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Bäume ebenfalls gepflanzt. Die ältesten Bäume sind also auch schon rund 70 Jahre alt.

Wenn man „Urban Ash“ im Sägewerk zu Tonholz schneidet, auf was muss man achten? Gibt es Besonderheiten?

Andy Powers: Esche hat im Allgemeinen eine recht große Bandbreite, was ihre Eigenschaften angeht. Das hängt vor allem davon ab, über welche Unterart und welchen Wuchsstandort wir sprechen. Das reicht von der harten Esche, die in nördlichen Regionen wächst und zur Herstellung von Baseball-Schlägern oder Axt- und Hammerstielen hergenommen wird, bis hin zur super-leichten „Swamp Ash“ aus dem Süden, aus der wir gerne E-Gitarren bauen.

Unsere Eschen liegen irgendwo in der Mitte dieser beiden Extreme. Aber auch hier gibt es typische Merkmale, abhängig vom Standort. Typischerweise haben diese „Stadt-Bäume“ viele verwachsene Astlöcher was schlicht daherrührt, dass die tieferliegenden Äste der jungen Bäume abgeschnitten wurden, um die Fahrbahnen freizuhalten.

Und dann gibt es noch „verborgene Schätze“ im Holz, wie Nägel oder Klammern, die benutzt wurden, um Plakate mit vermissten Haustieren, Konzertankündigungen oder änlichem an den Baum zu tackern. Es ist nicht so cool, wenn man da reinsägt. Inzwischen benutzen wir Metalldetektoren, um den Verschleiß an Sägeblättern im Zaum zu halten. Manchmal beißen Bäume zurück. (lacht)

Wie groß ist der Anteil an wirklich nutzbarem Tonholz pro Baum?

Andy Powers: Man bekommt schon eine gute Ladung Holz aus dem Stamm, nur die Äste sind nichts für uns Gitarrenbauer. Beim Stamm kommt es vorrangig auf dessen Größe, seinen Wuchs, die Holzqualität und natürlich auch die Größe der Teile an, die wir aus diesem Holz fertigen wollen. Soweit ich weiß, fertigt ihr Böden und Zargen aus „Urban Ash“, etwa wie bei der der neuen GT.

Lässt es sich auch als Deckenholz einsetzen?

Andy Powers: Grundsätzlich kann man diese Eschenart für alle möglichen Komponenten im Gitarrenbau einsetzen. Wir befinden uns noch in einem Prozess des Lernens und Entdeckens, wie sich dieses Holz in verschiedenen Einsatzbereichen verhält. Es ist ziemlich spannend, denn noch während wir mit den Hölzern experimentieren, bauen wir bereits funktionierende Gitarren damit.

Oft drängt es sich förmlich auf, was man mit bestimmten Hölzern anfängt, da sie bestimmte Qualitäten aufweisen, die sie für diesen oder jenen Bereich empfehlen. Wir arbeiten jetzt in der Tat schon mehrere Jahre mit dieser Eschenart und wir finden immer noch neue potenzielle Anwendungsbereiche. Das kommt nicht oft vor, dass man das, mit dem man sich beschäftigt immer attraktiver findet, je mehr Details man davon kennt. In diesem Fall ist es so. (lacht)

Wie verhält sich „Urban Ash“ in Sachen Feuchtigkeit und Trocknungsprozess?

Andy Powers: Wie jedes Holz ist es frisch geschnitten quasi tropfnass, jeder lebendige Baum führt viel Wasser. Ist der Baum gefällt und geschnitten, durchläuft das Holz unseren Trocknungsprozess mit Lufttrocknung, Windtunneln etc. um einen beständigen Feuchtigkeitsgehalt im Holz zu erhalten. Ziel ist dabei, dass wir ungefähr die Luftfeuchtigkeit erreichen, von der wir glauben, dass das Instrument ihr hauptsächlich ausgesetzt sein wird.

Wie verhält sich dieses Holz während der Bearbeitung? Gerade im Vergleich zu klassischen Tonhölzern wie Mahagoni oder Palisander?

Andy Powers: Zuerst: Dieses Holz ist fantastisch zu bearbeiten. Es erinnert mich an gutes Mahagoni, da es viele ähnliche Eigenschaften hat. Es lässt sich gut maschinell bearbeiten, gut schneiden, sauber verleimen , es verhält sich stabil und altert ansprechend – mehr kann sich ein Gitarrenbauer kaum wünschen. Jetzt darf man nicht vergessen, welche Faktoren dazu geführt haben, dass Mahagoni so ein populäres Holz geworden ist.

Es war quasi die Mischung aus der einfachen Bearbeitung, der Stabilität und seiner klanglichen Eigenschaften – kurz gesagt, es war einfach zu bearbeiten, es klang gut und es war verfügbar. Und aus genau denselben Gründen stehen wir so auf unsere Stadt-Eschen. Dass dieses Holz quasi unser Einstieg in ein derartig neues Forstmodell war, ist da quasi die Kirsche auf der Torte.

Alle Infos: TAYLOR GUITARS