Nachruf: Abi Ofarim

Abi Ofarims Karriere verlief glänzend: vom israelischen Folklore-Sänger und Gitarristen samt Ehefrau zum weltweit erfolgreichen Schlagerpaar. Ein Neuanfang danach fiel ihm schwer.

Der Song „Morning of My Life“ stammt zwar ursprünglich aus der Feder von Barry Gibb, jedoch hat ihn Abi Ofarim in der Version mit seiner Frau Esther maßgeblich geprägt. Wenn nun die Todesmeldung des 80-jährigen Sängers, Gitarristen und Produzenten in den Medien die Runde macht, dann ist der Gedanke nicht weit an diese idyllische Szene im Musikvideo zu „Morning of My Life“, in dem Abi und seine Frau Hand in Hand am Strand spazieren gehen …

Der 1937 in Israel geborene Abraham Reichstadt lernte seine Duettpartnerin und spätere Frau in den 50er Jahren kennen. Schnell traten sie gemeinsam auf und gaben sich den Künstlernamen „Ofarim“, der im Hebräischen für Rehkitze steht. Dabei stand vor allem Esther im Vordergrund, Abi begleitete sie meist mit einer klassischen Gitarre und seinem Gesang. In den 60ern konnten sie durch Esthers Solokarriere (und der erfolgreichen Teilnahme am Grand Prix Eurovision de la Chanson 1963, heute Eurovision Song Contest) große Erfolge verzeichnen.


In Deutschland waren es Songs wie "Morgen ist alles vorüber", "Schönes Mädchen", "Sing Hallelujah" oder "Cinderella Rockefella", durch die sie bekannt wurden. Es folgte eine internationale Karriere mit Konzerten in großen Teilen Europas und in den USA. 59 Goldene Schallplatten konnte Abi Ofarim sein Eigen nennen. Dennoch: Das Ende kam schnell. Bereits 1969 trennte sich das Schlager-Duo.

Ofarim sollte noch zwei weitere Male heiraten. Für ihn war es schwer, danach beruflich Fuß zu fassen. Er gründete eine Produktionsfirma in München, die zunächst sehr erfolgreich war. Eine eigene Solokarriere gelang ihm jedoch nicht. Alkohol- und Drogenmissbrauch sorgten für einen kurzen Aufenthalt im Gefängnis – dieser Weckruf hat Abi nach eigenen Angaben das Leben gerettet. 2009 legte Abi Ofarim nach über 25 Jahren Pause erneut ein Soloalbum vor. Der bezeichnende Titel: „Too Much of Something“. Am 4. April 2018 ist er nun nach langer Krankheit in München verstorben

bi