Interview: Tommy Emmanuel - Jams ohne Brimborium

Mit „Accomplice One“ hat Tommy Emmanuel ein Album veröffentlicht, auf dem er mit großen Namen und weniger bekannten Talenten gemeinsam 
musiziert. Die Palette reicht von halsbrecherischen Instrumental-Sessions bis hin zu außergewöhnlichen Coverversionen. Uns hat er erzählt, wie es zu seiner Auswahl kam …

Jams ohne Brimborium

Mit Accomplice One hat Tommy Emmanuel ein Album veröffentlicht, auf dem er mit großen Namen und weniger bekannten Talenten gemeinsam 
musiziert. Die Palette reicht von halsbrecherischen Instrumental-Sessions bis hin zu außergewöhnlichen Coverversionen. Uns hat er erzählt, wie es zu seiner Auswahl kam.

Tommy, du lebst in Nashville und kennst dort sowohl gestandene Musiker wie Jerry Douglas als auch aufstrebende Acts wie Jason Isbell und seine Frau Amanda Shires. Wie hast du dir deine Partner ausgesucht?
Es war mir wichtig, die richtigen Personen auf der Platte zu haben. Leute wie Jason Isbell, Rodney Crowell oder Mark Knopfler können etwas Besonderes in die Aufnahmen einbringen. Es ist nicht nur kommer-zielle Countrymusik, es sind Songs voller Seele. Als Produzent habe ich alles sehr einfach und ehrlich gehalten – kein großes Brimborium, nur Drums, Bass, Akustikgitarren und Menschen, die singen. Bei einigen der Nummern war es ein Fall von „Lass uns jammen und es aufnehmen“.

Wie und wo hast du die einzelnen Songs aufgenommen?
An vielen verschiedenen Orten. Ich musste die Dinge sehr schnell auf die Beine stellen, denn ich habe große Teile des Albums zwischen meinen Konzertterminen eingespielt. Als ich in England war, um meine Töchter zu besuchen, habe ich Mark Knopfler kontaktiert und fuhr zu seinem Studio in London. Wir hatten nur eine kurze Zeitspanne miteinander, um diesen Song aufzunehmen [„You Don’t Want to Get You One of Those“]. Auch „Keepin’ It Reel“ mit Clive Carroll wurde in London eingespielt, der Rest entstand in Nashville in verschiedenen Studios – bis auf die Version von „Djangology“ mit Frank Vignola und Vinny Raniolo. Die haben wir in Havanna live vor Publikum mitgeschnitten.

Durch die Gäste und die Songauswahl ist das Album sehr vielseitig geraten. Neben akrobatischen Instrumental-Tracks wie „Wheelin’ & Dealin’“ steht ein Song wie „Borderline“ von Madonna. Wie bist du denn darauf gekommen?
Vor gut zehn Jahren tourte ich durch Schweden und arbeitete dabei mit einer sehr kreativen Frau namens Theresa Andersson. Sie sang dieses Lied auf genau die-se Weise. Ich liebte ihre Version. Diese Idee habe ich aufgenommen und bin damit zu Amanda Shires gegangen. Auch sie war davon angetan, also haben wir die Nummer so gemeinsam aufgenommen – nur mit ihrem Gesang und meiner Akustikgitarre. Danach habe ich ihre Fiddle auf den Track gelegt und die Backing-Vocals eingesungen. Am Ende habe ich dann noch Bass und Schlagzeug draufgepackt. Außer der Fiddle spiele ich sämtliche Instrumente auf diesem Track.

Welcher Songs brauchte am längsten, bis er im Kasten war?
Ich denke „Keepin’ It Reel“, denn es ist ein langes Medley traditioneller irischer Songs. Bis wir es richtig hinbekommen haben, 
mussten wir die Songs etwa sechsmal durchspielen. Dann habe ich die besten Versionen zusammengeschnitten. Anschließend nahm ich die Masters, ging zurück nach Nashville und habe die gesamte Percussion overdubbt, um es wirklich irisch klingen zu lassen.

Dann gibt es noch das Instrumental-Cover von Jimi Hendrix’ „Purple Haze“. Wie nähert man sich einem Song, der tausendfach gecovert wurde, um etwas Andersartiges daraus zu machen?
Die ursprüngliche Idee kam durch eine Website namens Reddit. Viele Menschen aus der ganzen Welt sind dort aktiv. Meine Frau beschloss, ein Experiment zu machen und fragte die Leute: „Von welchem Lied soll Tommy ein Arrangement machen?“ Nummer-eins-Song bei der Abstimmung war „Purple Haze“. Ich hatte ihn nie zuvor gespielt. Ich hörte mir Jimi Hendrix’ Version zweimal an und erstellte auf die Schnelle ein Arrangement. Das habe ich aufgenommen und das Video auf Youtube gestellt. Die Leute haben es geliebt. Als ich Jerry Douglas fragte, ob er auf meinem Album spielen wolle, fragte ich ihn, ob er je „Purple Haze“ gespielt habe. Er sagte: „Nein, aber wir können es machen, wenn es du willst.“ Ich zeigte ihm meine Version, wir gingen ins Studio und spielten es ein einziges Mal. Das ist die Aufnahme, die du hörst.

Das gesamte Interview findet ihr im aktuellen Heft guitar acoustic 2/18

Tommy Emmanuel - Accomplice One