Interview: Peter Bursch

guitar-acoustic sprach mit dem Gitarrenlehrer der Nation über die Unterrichtsformen von der Platte bis zum Youtube-Video und über das neue Album seiner Band Bröselmaschine.

Von der Wabbelplatte zur DVD

Peter, heute gibt es zahlreiche kostenlose Gitarren-Videos im Internet. Vor fünfzig Jahren sah das anders aus. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr?


Ich glaube, dass ich mit meinen Begleit-CDs in den Siebzigern etwas angestoßen habe, das sich in eine ungeahnte Richtung entwickelt hat. In meinem Buch war eine Folienplatte drin, das kannte damals noch kein Mensch.

Was genau ist das?

Das ist eine wabbelige Plastikplatte. Jede Seite kann man fünfzig Minuten lang bespielen. Sie wurden früher vor allem zu Werbezwecken verwendet. Kassetten waren damals die einzige Möglichkeit, um das Geübte auch hören zu können. Durch die Folienplatten mussten die Bücher nicht ausgeschnitten werden.

An welchen Büchern arbeitest du gerade?

Im Moment überarbeite ich eines meiner Bücher, Gitarrenbuch II. Das kommt im Herbst raus. Alle fünf Jahre werden sie aktualisiert, die Liedrechte verändern sich, man muss das ja auch immer abdrucken dürfen. Dann nehme ich gern meine eigenen Lieder oder aktuellere Songs dazu. Durch meine Gitarrenschule im Ruhrgebiet lerne ich viel. Es gibt bestimmte Klassiker, die bleiben. Aber es gibt natürlich immer wieder neue Hits. Pädagogisch und didaktisch ist das ebenfalls hilfreich. Wenn ich die zwöflte E-Mail bekomme, bei der mir jemand die gleiche Frage stellt, komme ich ins Grübeln. Der Nachteil für Voggenreiter ist aber, dass die Bücher dann immer dicker werden. [lacht]

Von deiner Band Bröselmaschine gibt es jetzt nach dreißig Jahren wieder ein neues Studio-Album. An der Besatzung hat sich einiges geändert.

Ja, unsere neue Sängerin Liz improvisiert viel. So entstehen oft die Songs. Wir haben ein zwölfminütiges Stück live eingespielt, weil die Stimmung im Studio einfach so gut war. Das ist „Indian Camel“, nachdem wir auch unser Album benannt haben. Unsere psychedelischen Einflüsse kommen besonders bei diesem Stück mit arabischem Wüstenfeeling zum Vorschein. Lulu Reinhardt hat am Anfang noch was beigesteuert. Und für Helge Schneider waren wir damals seine erste Band überhaupt. Jetzt hat er auf dieser Platte auch wieder mitgespielt. Es sind einige tolle Gäste zusammengekommen.

Nächstes Jahr habt ihr euer 50-jähriges Bühnenjubiläum. Ist eure Musik denn noch immer aktuell?


Wir haben vor ein paar Jahren auf dem Freak Valley Festival in Netphen bei Siegen gespielt. Das war ein einschneidendes Erlebnis. Dort war unheimlich viel junges Publikum. Seitdem haben wir festgestellt, dass die Psychodelic-Schiene nicht ganz out ist. Ganz im Gegenteil! Die Art und Weise, wie wir diese Musik machen und interpretieren, ist für viele junge Menschen neu und deshalb interessant.

Text:Natalie Meyer