Interview: Drake White

Während der jüngsten CMA Songwriters Series und des Country-to-Country-Festivals in London war Drake White mit seiner Flattop der show stealer des gesamten Wochenendes. Wir sprachen mit ihm über seinen perkussiven Spielstiel, seine virale Akustiksetkampagne und seine „seltsam“ gealterte Gibson LG.

Der smarte Rebell

Drake, du bist spätestens seit der Veröffentlichung deines Major-Debüts Spark 2016 einer der gefragtesten Songwriter auf der Music Row in Nashville. Was ist das für ein Gefühl?


Oh, Mann, ich wäre ja alleine schon froh, wenn man überhaupt Notiz von mir nähme. Die jetzige Situation ist natürlich der Idealfall. Es gibt da draußen so viele fantastische Songwriter und Künstler. Es ist immer dieser kleine Funke Glück nötig, damit man wahrgenommen wird und die Chance bekommt, in einem tollen Umfeld mit anderen Komponisten zu arbeiten oder einfach Leuten, die massives Talent besitzen, unter die Arme zu greifen. All das fühlt sich großartig an.

Dadurch wurde dir auch die große Ehre zuteil, bei der diesjährigen Ausgabe der CMA Songwriters Series einer der Botschafter Nashvilles zu sein. Wie hast du dich auf den Mix aus Songs und Storys vorbereitet?

Vor diesem wichtigen Termin habe ich ein paar Gigs im Vorprogramm von Darius Rucker [Ex-Hootie-and-the-Blowfish] in ganz Europa gespielt. Daher konnte ich schon abwägen, auf was das Publikum auf dieser Seite des Atlantiks steht. Das soll jetzt allerdings nicht heißen, dass ich alles bis ins Detail ausgearbeitet habe – eher im Gegenteil. Ich bin einfach rausgegangen und habe das gemacht, was ich immer mache: den Leuten eine möglichst gute Zeit zu bescheren.


Wenn man dir auf die Finger schaut, fällt sofort deine ungewöhnliche Anschlagtechnik auf.

Das hat sich einfach so eingeschliffen. Seit jeher trommle ich zu Songs auf Tischen herum. Ich kann das, was zwischen meiner Hand, dem Pick und den Saiten passiert, wohl am besten mit den Worten von Dave Grohl [Foo Fighters, Nirvana] erklären, denn er ist ja bekanntlich Drummer. Wenn du eine Gitarre wie ein Perkussions-instrument betrachtest, kommt dabei ein rhythmischeres Spiel heraus, ein noch mitreißenderer Groove. Meine rechte Hand spielt also eigentlich Drums. [lacht]

Was findet sich außer Parlourgitarren in deinem Rig?


Im Live-Umfeld mit kompletter Band ist eines der wichtigsten Dinge ein gutes Drahtlossystem, denn ich bin überall auf der Bühne unterwegs. Mein Favorit sind die Wireless-Einheiten von Line 6, mit denen ich inzwischen auch einen Endorsement-Deal besitze. Dazu kommt das L. R. Baggs Anthem SL, bei dem ich einen hervorragenden Mix aus dem integrierten Mikrophon und dem Piezo einstellen kann. Der einzige Effekt, der es in mein Rig schafft, ist etwas Reverb aus einem EHX Holy Grail. Es ist also alles sehr einfach gehalten. Ich mag den Geist und den Sound meiner Gitarren nicht verfälschen.

Apropos Endorsement: Du hast auch einen Vertrag mit Gibson.

Ich liebe ihre Gitarren! Dabei geht es mir aber nicht um den Markennamen, sondern um das Gefühl, die Bespielbarkeit und den Sound, den die Gibsons besitzen. Ich glaube, dass jedes Stück Holz, das zu einer Flattop wird, Songs und einen gewissen Geist in sich trägt. Eine Sechsaitige, die für mich cool ist, muss das noch lange nicht für dich sein. Es geht immer um den persönlichen Geschmack und entsprechende Vorlieben. Die Gibson LG ist für mich nun mal die erste Wahl, denn sie liefert mir genau den Klang, das Handling, den Look und ist, wie bereits erwähnt, eine kleine Gitarre ... die Kombination ist für mich unschlagbar.

Eine deiner LGs sieht extrem mitgenommen aus. Was ist mit ihr passiert?

Ich habe ein Stück Schmirgelpapier genommen und losgelegt. Die Prozedur hat den Sound massiv beeinflusst. Sie war so glänzend und brandneu – das ist einfach nicht mein Ding. Ich bin keine Glitzergestalt, und dazu passt eher eine abgerockte Gibson. Manche werden das verurteilen, aber das interessiert mich einen Scheiß!


Dein Major-Debüt Spark von 2016 war fraglos einer der Knaller in Nashville ...

In diese Scheibe ist viel Zeit, Herzblut, Zweifel und der Wille geflossen, meine Vielseitigkeit zu präsentieren. Alleine die richtige Reihenfolge der Stücke zu finden, dauerte eine halbe Ewigkeit. Das grausamste in der gesamten Produktionsphase als Songwriter war es, mich auf zwölf Tracks zu beschränken. Da es sich um mein eigentliches Erstwerk handelt, standen Songs aus einer circa 150 bis 200 Kompositionen starken Sammlung zur Verfügung. Das war echt die härteste Nuss! [lacht]

 

Text: Chris Franzkowiak

Das ausführliche Interview sowie weitere Gespräche mit der Band Versengold oder Mike Oldfield, sowie Gitarren- und Ampstests und ein ausführlicher Workshop über das Songwriting des verstorbenen Chris Cornell (Soundgarden) findet ihr in der guitar acoustic 5/2017 - jetzt am Kiosk oder online bestellen unter www.ppvmedien.de


Hier könnt ihr euch einen Ausschnitt aus Drakes Auftritt beim Country to Country-Festival anschauen:

Drake mit seiner Parlour-Gitarre