Im Test: Taylor GS Mini Bass

Mit Ukulelensaiten habe er herumgespielt, so Andy Powers, seines Zeichens Chefentwickler bei Taylor. Und dabei sei er auf die Idee gekommen, eine GS Mini mit Basssaiten auszustatten. Verrückt? Ganz im Gegenteil!

Bässe kennen wir alle als Instrumente mit langen Hälsen für große Hände, aber schon vor dreißig Jahren gab es einen E-Bass von Ashbury mit Silikonsaiten und einer Mensur von 18 Zoll. Später kamen Ukulelenbässe auf den Markt, ausgestattet mit Poly-urethansaiten und einer nicht wesentlich längeren Mensur. Solche waren es wohl auch, die Andy Powers für die ersten Versuche benutzte, eine GS Mini zu einem Bass umzubauen. Da eine Bassukulele typischerweise eine Mensur von um die 20 Zoll aufweisen kann, die der GS Mini jedoch 23,5 Zoll beträgt, kamen diese Saiten schnell an die Belastungsgrenze und gaben ihre Seele auf. Nach vielen Versuchen mit normalen Stahlsaiten kam Powers schließlich auf die Idee, die Konstruktion einer Klassikbasssaite zu übernehmen.

Der entsprechende Saitensatz wurde von D’Addario entwickelt, und vorgeblich funktioniert der GS Mini-e Bass nur mit genau diesen. Das stimmt in dieser Ausschließlichkeit zwar nicht, denn jede Saitenmanufaktur ist imstande, passende Saiten auf Bestellung zu wickeln... Dennoch haben wir es hier mit einer Spezialanfertigung zu tun. D’Addario haben als Wickeldraht Phosphor-Bronze benutzt, so dass wir es hier mit einem Hybriden zwischen Klassik und Steelstring zu tun haben. Und nur bei diesem Aufbau ist die Saite flexibel genug, auch Obertöne sauber abzubilden. Damit diese dicken Saiten auch ordentlich im Steg verankert werden können, hat Powers die Bridge-Pins weiterentwickelt und sie mit einem Schlitz versehen, so dass die eigentliche Saite einmal quer durch diesen Pin läuft. Der Vorteil ist vor allem der Winkel, mit dem die Saite hinter der Stegeinlage nach unten gezwängt wird. Der ist hier nämlich wesentlich flacher und lässt auch ein natürlicheres Schwingen der Saite zu.

Rein optisch entspricht der GS Mini-e Bass exakt den sechssaitigen Brüdern und Schwestern, so dass sogar die Gigbags passen. Der Korpus besteht aus laminiertem Sapeli, wobei der Boden in eine gewölbte Form gepresst ist. Das macht ihn sehr stabil, so dass keine Querleisten nötig sind. Die Decke besteht aus massiver Sitka-Fichte und ist mit einem herkömmlichen X-Bracing versehen, das gegenüber dem Standard-Bracing nur geringfügig modifiziert werden musste, wie Powers erklärt. Die Decke ist mit einer Randeinlage verziert, ein Binding ist allerdings nicht vorzufinden. Das ganze Instrument ist mit einem dünn aufgetragenen, offen-porigen und matten Lack überzogen.

Der Hals besteht wie auch der Korpus aus Sapeli und ist mit diesem verschraubt. Er folgt dabei der Konstruktion der größeren Modelle, was bedeutet, dass der Halswinkel mit den entsprechenden Unterlagen eingestellt werden kann. Das Griffbrett und auch der Steg bestehen wie bei allen Taylor-Gitarren aus Ebenholz, welches aus dem hauseigenen Sägewerk in Kamerun stammt. Allerdings ist nicht alles Ebenholz, was schwarz ist: Die Kopfplattenauflage besteht aus Kunststoff, der ziemlich scharfkantig ausgefallen ist. Hier hilft zur Not ein wenig 320er Schleifpapier. Die Stimmung der speziellen Spezialsaiten übernehmen vier Mechaniken, die zwar mit dicken Wickelachsen, jedoch mit normalen Griffen ausgestattet sind. Alles andere hätte nicht nur albern ausgesehen, sondern vor allem für Kopflastigkeit gesorgt.

Taylor-Neuheit im Gepäck


Vernünftigerweise hat Taylor ein Tonabnehmersystem eingesetzt. Es handelt sich um den Pickup des Expression System 2, bestehend aus drei Piezo-Elementen, die hinter (nicht unter) der Stegeinlage platziert sind und mit einer kleinen Schraube im Pegel justiert werden können. Sie sind mit einer neuen Elektronik, der ES-B, kombiniert. Zwar steht hier neben einem Volume-Regler lediglich eine Tone-Blende zur Verfügung, dafür ist sie mit einem Stimmgerät ausgestattet – Taylor-Novum.

Die speziellen Saiten spielen sich sehr gut, wenngleich sie den meisten hauptamtlichen Bassisten zu weich sein dürften. Dickere Saiten wären ein Wunsch für die Zukunft, der aber natürlich nicht an Taylor, sondern an D’Addario (oder den Saitenwickler eures Vertrauens) geht. Solche Saiten werden vermutlich noch ein wenig druckvoller und weicher klingen und vor allem eine größere Dynamik ermöglichen. Hier muss man hingegen aufpassen, dass man nicht zu kräftig anschlägt, sonst handelt man sich unerwünschte Nebengeräusche ein. Allerdings hat Powers auch zugegeben, dass er diesen Bass ursprünglich für Gitarristen entwickelt hat, und in dieser Hinsicht dürfte er in der vorliegenden Abstimmung ideal sein.

Für die schnelle Session oder die Fingerübungen auf dem Sofa ist das kleine Teil ideal, aber es kann noch mehr – wozu ist der Bass schließlich mit einem Tonabnehmer ausgerüstet worden? Hiermit kann er über jeden Verstärker gespielt werden, wobei ein Bassamp sicherlich die erste Wahl darstellt. Der GS Mini-e Bass liefert ein druckvolles, recht tiefmittig abgestimmtes Signal. Es lohnt sich, am Verstärker die typische Slapper-Badewanne einzustellen, also die Mitten abzusenken. Damit erreichen wir einen erwachsenen Ton, der auch in lauteren Bands ein gutes Durchsetzungspotential besitzt. Ob das kleine Instrument dabei optisch passt, müsst ihr schon selbst entscheiden.

Das bleibt hängen:

Das ist er also, der erste Taylor-Bass seit vielleicht fünfzehn Jahren. Und schon die ersten Töne zeigen: Er ist zwar mini, aber klein ist er nicht. Hat Taylor es geschafft, mit dem GS Mini-e Bass die Physik zu überlisten? Nein, natürlich nicht, denn fette, laute Bässe gibt es hier keine, es sei denn, man jagt ihn durch einen Verstärker. Aber es hat selten so viel Spaß gemacht, es trotzdem und immer wieder zu versuchen.

Text: Jürgen Richter

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