Acoustic-Dreams: Hanika 50 KF-N & 56 AF-N - Hölzer aus der Heimat

Das Artenschutzabkommen CITES reglementiert die Einfuhr und den Handel 
mit Tropenholz, so dass beispielsweise Palisander seit 2017 nur mit erheblichem bürokratischen Aufwand im Instrumentenbau verwendet werden kann. 
Da liegt es nahe, hiesige Hölzer auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Armin Hanika gehört zu den Vorreitern …

Die Manufaktur Hanika aus Franken bietet seit 2017 eine Serie von vier Gitarren an, die ausschließlich aus heimischen Hölzern gefertigt werden. In Zusammenarbeit mit der TU Dresden wurde in einem zweijährigen Forschungsprojekt ein Verfahren entwickelt, bei der durch Thermomodifikation (man könnte auch „Backen“ sagen) Umbau- und Alterungsprozesse des Tonholzes angestoßen und beschleunigt werden. Diese Methode wird bereits seit Jahrzehnten für Parkettböden und Gartenmöbel angewandt. 

Im Instrumentenbau hofft man, mittels dieser Modifika-tion Materialeigenschaften zu erzielen, die denen des Tropenholzes ähnlich sind. Schließlich bleibt noch ein nicht unerheblicher Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekt: Kirsche, Pflaume oder Elsbeere wachsen quasi vor der Haustür und müssen nicht aus Tausenden von Kilometern Entfernung importiert werden. Von den vier Modellen der Native-Serie haben wir uns die 50 KF-N und die 56 AF-N näher angeschaut.

Nicht nur Fußballlegende Lothar Emmerich („Gib mich die kirsche!“) wusste, was gut ist. Korpus, Halskantel und Kopfplatten der 50 KF-N sind aus „gebackener“ Kirsche gefertigt, deren unspektakuläre Maserung dem Instrument ein dezentes Understatement verleiht. Das Holz eines weiteren Obstbaums, nämlich Pflaume, kam bei Griffbrett und Steg zum Einsatz. Es ist etwas heller als die üblichen Verdächtigen Ebenholz und Palisander.

Rückseitig findet sich auf dem Hals eine Verstärkung mit Elsbeere, einem der härtesten europäischen Hölzer, das auch seit geraumer Zeit im Holzblasinstrumentenbau zur Anwendung kommt. Das Herzstück der Gitarre, die Decke, besteht aus europäischer Fichte. Sie ist offen-porig matt lackiert wie die gesamte Gitarre. Auf der Innenseite des Korpus gewähren fünf Fächerleisten die Statik der Decke. Schließlich sei noch das ausgesprochen geringe Gewicht des Instruments erwähnt: Sie bringt lediglich 1.371 Gramm auf die Waage.

„Psychoakustik“ ist ein Schlagwort, das häufig im Zusammenhang mit Gitarren aus heimischen Hölzern fällt: Der gemeinhin etwas konservative Gitarrenkäufer hat über Jahrzehnte gewachsene Hör- und Sehgewohnheiten. Sieht ein Gitarrenkorpus nun deutlich heller aus, sind viele potentielle Käufer zunächst reserviert. 

Das thermomodifizierte Ahorn beim Korpus der 56 AF-N ist erheblich dunkler als „unbehandelter“ Ahorn, behält aber bei dem Verfahren seine auffällige Maserung. Optisch ansprechend sind Boden und Zargen im Hochglanz-Finish lackiert, die hochwertige Fichtendecke mit einer siebenfachen Beleistung jedoch seidenmatt. Schöne Bindings und Rosetten aus Ahorn runden das schmucke Gesamtbild ab.

Beide Gitarren haben eine Saitenlage von 3,8 Millimetern bei E6 und 2,8 Millimetern auf e1 am zwölften Bund. Ein zweiter Steg liegt bei, falls die Saitenlage als zu flach empfunden wird; damit wären die entsprechenden Werte 4,3 und 3,3 Millimeter – ein sehr löbliches, praxisorientiertes Detail. Zur hervorragenden Bespielbarkeit trägt das D-1-Profil bei. Es ist einen Millimeter dünner als das herkömmliche D-Profil bei Hanika-Gitarren. Beide Instrumente sind tadellos verarbeitet.

Erstaunliche klangliche Qualitäten offenbart das Instrument mit dem Korpus aus thermomodifizierter Kirsche: ein helles Grundtimbre sowie eine leichte und spritzige Ansprache über das ganze Spektrum. Ein wenig erinnert das an die Eigenschaften von Flamenco-Gitarren. Ihr knackiges Attack ist eher ausgeprägt als ihr lang anhaltendes Sustain. 

Die Ahorngitarre fällt für meine Ohren im Vergleich mit einem Palisanderinstrument ein wenig ab. Im A-B-Vergleich ist der Bassbereich bei der Ahorngitarre etwas weniger ausgeprägt, wohingegen die tiefen Mitten um 300 Hertz stärker präsent sind. Beim Palisanderkorpus erscheint mir der Ton insgesamt runder und über den gesamten Spielbereich ausgeglichener. Aber wir reden hier von Nuancen; mit Sicherheit gibt es Gitarristen, die genau dieses Timbre schätzen.

Das bleibt hängen

Wenn Kirsche, Pflaume und Elsbeere die gewohnten Tonhölzer Palisander, Ebenholz und Cedro ersetzten, fällt ein unvoreingenommener Test zunächst schwer. Jedoch überrascht besonders die Gitarrer mit dem Korpus aus Kirsche mit klanglichen Qualitäten, die für diese Preisklasse überzeugend sind. Palisander wird aus dem Instrumentenbau sicherlich nicht komplett verschwinden, aber die Ergebnisse mit dem Thermoholz können sich hören lassen und sollten uns Musiker veranlassen, diesen Instrumenten mit offenen Ohren zu begegnen. 

Jens Müller

www.hanika.de



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