CITES und Palisander (Eilmeldung!)


Das Thema ist brisant, und es ist topaktuell: Alle Palisander-Arten zählen ab dem 2. Januar 2017 zu den geschützten Arten. Was das für uns Gitarristen vermutlich bedeutet und was nicht, könnt ihr hier lesen. Vermutlich bedeutet, muss man sagen, denn es kann sich noch ändern. Ein wiederholter Blick auf unsere Homepage sowie unsere Facebook-Seite empfiehlt sich daher.

Im Herbst 2017 fand die 17. Konferenz der 182 Staaten statt, die das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) unterzeichnet haben. Hier wird über Kontrolle und Verbot des Handels mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten entschieden. In diesem Jahr wurden sämtliche Palisander-Arten (Dalbergia spp.) in den so genannten CITES Anhang 2 aufgenommen.

Das bedeutet pauschal, dass der Handel mit allen Palisander-Arten kontrolliert werden wird, so dass im Idealfall der Weg einer fertigen Gitarre bis zum Baum zurückverfolgt werden kann. Es bedeutet nicht, dass der Handel mit Palisander und Palisander-Instrumenten verboten ist. Riopalisander (Dalbergia nigra) verbleibt im CITES Anhang 1 und genießt einen noch höheren Schutzstatus.

Der Beschluss ist Anfang Oktober gefasst worden und wird zum 2. Januar 2017 in den Mitgliedsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens wirksam. Die endgültige Umsetzung in EU-Recht erfolgt voraussichtlich bis Ende März 2017, hat aber keine aufschiebende Wirkung. Unser besonderer Dank gilt Martin Seeliger von Lakewood Guitars, der uns aus erster Hand über die Gesprächen mit dem BfN (Bundesamt für Naturschutz) und BMUB (Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) und seine Einschätzung dazu informiert hat.

Was heißt das für euch?


Als Musiker, der ein Instrument mit Palisanderteilen besitzt, ist man erst einmal völlig sicher.
Es ist nicht verboten, ein solches Instrument zu besitzen, und man benötigt auch keine Papiere dazu. Man kann sich innerhalb der EU frei bewegen. Bei der Ausreise in ein Nicht-EU-Land (beispielsweise die Schweiz) gilt bei persönlicher Mitnahme, dass Instrumente mit CITES-2-Bestandteilen frei mitgenommen werden können, solange der Gewichtsanteil der betroffenen Hölzer 10 Kilogramm nicht überschreitet. Da eine akustische Gitarre mit Zargen, Boden, Griffbrett und Steg maximal 600 Gramm an Palisanderanteilen aufweist, müsste man also schon mit mehr als 15 Gitarren verreisen, um diesen Grenzwert zu erreichen.

Will man ein solches Instrument auf offiziellen Portalen wie Ebay oder Musikerflohmärkten verkaufen, sollte man sich beim Händler oder Hersteller eine Bescheinigung über die verwendeten Hölzer besorgen. Musikinstrumente, die von der CITES-2-Regelung betroffen sind und nach dem 2. Januar 2017 verkauft werden, sollten auf dem Verkaufsbeleg Informationen zu Art und Menge der CITES-2-Hölzer enthalten.

Schwieriger wird es, wenn man ein Instrument besitzt, dessen Hersteller nicht mehr existiert. Ein Beispiel wäre der deutsche Hersteller Hoyer. In einem solchen Fall muss man vermutlich einen offiziellen Gutachter bemühen – und wohl auch bezahlen.

Wir sollten trotz des Aufwands, der das alles für uns bedeutet, dankbar für die CITES-Einstufungen sein, und das aus mehreren Gründen. Zum einen wird diese Kontrolle hoffentlich dafür sorgen, dass die Palisanderarten nicht irgendwann in den Anhang 1 hochgestuft werden, so dass dieses wunderbare Tonholz uns auch zukünftig zur Verfügung steht. Zum anderen handelt es sich um Tropenhölzer, die man schon aus Klimaschutzgründen schützen sollte.

In der Folge werden vermutlich vermehrt Gitarren aus alternativen Hölzern auf den Markt kommen. Und diese lohnen sich allemal, entdeckt zu werden.

Jürgen Richter



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